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"RheinPfalz"
SPIRITUELLE TIEFE
Miklin, Hart und McClure beim IG-Jazz-Konzert

Seit fast 20 Jahren musiziert der österreichische Saxophonist Karlheinz Miklin mit den großen amerikanischen Jazzern Ron McClure (Kontrabass) und Billy Hart (Schlagzeug) zusammen. Die ersten Jahre spielte man meist im Quartett, seit fünf Jahren im Trio. Lange Jahre war Miklin Leiter der Jazzabteilung an der Grazer Kunstuniversität, McClure und Hart spielten an der Seite namhafter amerikanischer Größen und gehören längst selber zu den wichtigsten Vertretern des aktuellen Jazz.
"Zwei Musiker, die trotz ihres Alters noch nicht satt sind, die immer weiter wollen und jeden Abend eine neue Überraschung bieten", so Miklin beim IG-Jazz-Auftritt in der Mannheimer "Klapsmühl" über seine Kollegen. Das Spiel der drei scheint von elementaren Naturgewalten gelenkt. In den langen Intros zu den einzelnen Kompositionen wurden ausgedehnte Klangerkundigungen unternommen, Räume tiefer Spiritualität eröffnet. Bedachtsam setzte Billy Hart vereinzelte Schläge mit dem Filzschlegel auf Trommeln und Becken, Miklin streute die gleißenden Kaskaden seines scharf klingenden Sopranino-Saxophons dazwischen. Perfekt gelang die Balance zwischen Ruhe und Energie.
Dexter Gordon, Archie Shepp und Joe Henderson nennt Miklin als seine wichtigsten persönlichen Einflüsse, die Verschmelzung von "Post-Bop, Avantgarde-Ausflügen und Latin-Elementen" ist das Konzept seiner vielfarbigen Musik. Und gleichfalls ist da eine starke Nähe zum Klangkosmos eines John Coltrane. Wie jener versenkt sich der Österreicher gerne in eine ruhig strömende Klangmystik, die sich aus außereuropäischen Quellen speist. Eine gute Grundlage, um anschließend in die Weiten modalen Spiels einzutauchen. Der Weg vom modalen Jazz ins harmonisch Freie ist hier nur folgerichtig.
Mit wenig Tönen viel zu sagen, diese Kunst beherrscht das Trio meisterhaft. Billy Hart ganz besonders, der in seinem Solo die Magie der afrikanischen Wurzeln mit zeitgenössischer Experimentierfreude genial verband. Dunkel rituell pulsierende Rhythmen und komplex darüber verschachtelte Metren führte der Schlagzeuger zu einer Eindringlichkeit, die sich in entfesselten Energien grandios verdichtete.
Kompositionen von Miklin standen vor allem auf dem Programm, darunter "Patagonia", dessen Intro wie tibetanische Tempelmusik klang, mit wispernden Klängen der Altflöte, Naturtönen und Mehrfachklängen. Das dunkle Thema kam wie eine Variation von "Summertime" daher. Genug Raum, um in die tiefsten Tiefen der Spiritualität einzutauchen.

Rainer Köhl
"RheinPfalz" 29.April 2005

 

© karlheinz miklin 2005 - www.miklin.mur.at