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"Jazz Podium"
Karlheinz Miklin/Ron McClure/Billy Hart

"In Between"   (Extraplatte EX 672-2)

Manche MusikerInnen erkennt man am Ton, manche am Wort, manche an ihren Sätzen. Karlheinz Miklin gehört für den Autor dieser Zeilen zur dritten Kategorie. Die Musik dieses Multi-Aerofonisten, dessen Name untrennbar mit der Jazzabteilung der Grazer Kunstuniversität verbunden ist, ist gut geerdet in der Jazzgeschichte, sie bewegt sich im erschlossenen, assoziativ aufgeladenen Feld der Tradition.

Und zeigt doch sehr individuelle Charakteristika, wie die Ende 2004 aufgenommene Trio-CD "In Between" hören lässt. Hier sieht sich Miklin nach "From Here To There" (2002) zum zweiten Mal zwei Meistern ihres Rhythmusfaches gegenüber, Us-Granden, mit denen er seit 1989 (lange Jahre im Quartett mit Fritz Pauer, ab 2000 im Trio) Austausch pflegt: Bassist Ron McClure und Drummer Billy Hart.

Miklin schöpft nicht nur äußerst flexibel, geschmackssicher aus dem breiten Materialfundus des Jazz, er benützt diesen im harmonisch entgrenzten Kontext des Saxophontrios als Ausgangsbasis für klischeefreie Gedankengänge von sinnlicher

Originalität. Für den 62-Jährigen bedeutet Improvisation tatsächlich Improvisation, er ist einer, dem man beim Forschen und Denken zuhören kann, und der seine Ideenfunde gleich höchst musikalisch zu formulieren versteht. Was seine Ursache auch darin hat, dass sich Miklin in virtuoser Selbstverständlichkeit eines breiten Arsenals an Klangfarben bedient, sowohl auf den einzelnen Instrumenten (vor allem auf dem Altsaxophon) wie auch in Bezug auf das Instrumentarium selbst: Die ersten fünf Nummern zeigen ihn an fünf verschiedenen Klanggerätschaften.

Exemplarisch für die ideenreichen Grübeleien sei etwa "For Billy" genannt, auch die altbewährten, Folklore-inspirierten Hits aus dem Miklin-Repertoire, das elegisch-kühle Stimmungsbild "Patagonia" sowie ?Desert March", verfehlen ihre Wirkung nicht.

McClure und Hart glänzen ihrerseits durch markante, im Falle des Schlagzeugers von polyrhythmischer Transparenz ("Joltz Waltz") geprägte Soli. Sie begleiten Miklin diskret auf seinen Gedankenwanderungen, um ihre interaktive Wachheit immer wieder blitzschnell zu demonstrieren.

Mit "In Between" legt Karlheinz Miklin wohl eines seiner konzentriertesten, substanz-vollsten CD-Statements vor.

                                                                                                Andreas Felber

"Jazz Podium", März 2008

 

 

© karlheinz miklin 2005 - www.miklin.mur.at