Presse

 

"Kleine Zeitung"
Zum Jubiläum familiäre Klänge

Morgen vor dreißig Jahren gab das nach wie vor agile Karlheinz Miklin Trio sein Live-Debüt.
Otmar Klammer

Dick ist er geworden. Unser Akt, betreffend den Fall Karlheinz Miklin Trio. Ganz unten in diesem Zettelwerk aus fernen Prä-Wikipedia-Zeiten, also im Zeitalter von Schreibmaschine und persönliche Ermittlungen, findet sich eine gute Antwort auf eine blöde Frage. "Ich habe keine verbindlichen Kriterien für den Jazz. Ich hätte Angst davor, das zu definieren, weil mein Gefühl so persönlich ist, dass ein anderer damit gar nichts anfangen könnte." Das saß.

Vor Jahrzehnten, bevor sich der Jazz endgültig ins multikulturelle Geäst verzweigte, hat uns der junge Saxophonprofessor das ins Notizbuch diktiert. Heute sagt das (fast) jeder. Einen Schüppel CDs und hunderte Konzerte später klingt das KHM-Trio freilich persönlicher denn je. Manches auf der brandneuen CD ist direkt intim.

Abgeklärt

Der Titel "family affair" mag es verraten, die Balance zwischen Sinnlichkeit und Sophistication macht uns sicher: ein später Miklin, ausgebreitet, ruhiger, mit der Nonchalance eines Bandleaders, dessen abgeklärtes Trio ihm geschmackssicher bis in alle Winkel seiner Kompositionen zu folgen vermag.

Am 28. April 1978 gab das Karlheinz Miklin Trio sein erstes Konzert im verwichenen Jazzdomizil Münzl in der Grazer Münzgrabenstraße. Damals, als es richtig hip war, zum Jazz zu gehen; heute ist es ja Kultur. Der Bassist Ewald Oberleitner, der "Herzmuskel der steirischen Jazzszene" (Heimo Steps), ist seit der ersten Stunde in diesem Trio, das eigentlich eher des Experiments Willen ohne eigentliches Harmonieinstrument antrat.

Aus dem Experiment wurde ein Erfolgslauf, der auch internationale Weitsprünge zeitigte. Am Schlagzeugstuhl indes gab es einige stilistische Kanten. Auf das Gründungsmitglied Brüning von Alten folgten Gerhard Wennemuth, Erich Bachträgl, Heimo Wiederhofer und schließlich der Junior, also Karlheinz Miklin II (auch in der Formation The Base tätig). Die allererste Schallplatte ist längst vergriffen und ein Fall für einschlägige Börsen. "Pick Up" hieß sie, die mit den Socken am Cover. Wir bitten um zweckdienliche Hinweise.

"Kleine Zeitung", 27. April 2008

 

 

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