Presse

 

"Frankfurter Allgemeine Zeitung"
Jazz im Palmengarten

Albert Mangelsdorff und das Karlheinz Miklin Trio

FRANKFURT. Der österreichische Saxophonist und Bandleader Karlheinz Miklin ließ sich nicht auf stilistische Vorbilder festlegen. Die elegische Dreitonmotivik des Intros der Eigenkomposition "La pregunta" (Die Frage) war dennoch eine Verbeugung vor Miles Davis´ vor 30 Jahren aufgenommenen "Sketches of Spain". Danach jedoch vermied Miklin in seinen ausschweifenden Solos auf dem hell klingenden Sopransaxophon plakative Flamenco-Klänge. Statt mit schwül rasselnden Castagnetten unterlegte sein melodisch inspirierter Schlagzeuger Heimo Wiederhofer die Arabesken und Stimmungswechsel seines Bandleaders mit grummelnden Wirbeln, die aus der Tiefe seiner Bass-Trommeln heraufschallten.

Schon in diesem ersten Stück des spielerisch perfekt aufeinander eingestellten, zwischen Bebop-Phrasierung und Blues-Gefühl überaus stilsicheren Trios ließ Kontrabassist Ewald Oberleitner die große Palette seiner klanglichen Möglichkeiten durchschimmern. Er schlug mehrere Saiten seines Kontrabasses mit einem Schlagzeugstock. Das helle Schlaggeräusch von Holz und Metall spitzte das harmonisch weich klingende Akkordsolo klanglich an. Auch in dem rhythmisch vertrackten Standard "Freak In" von Tom Scott, vor allem aber in dem lyrischen "Willow weep" von Anne Ronell aus den vierziger Jahren, war Oberleitner ein würdiger Solopartner für Miklin. Während Miklin die melodisch weit ausholenden Töne seiner lasziv klingenden Linien auf dem Tenorsaxophon mit viel Obertonanteil in das Solo gewissermaßen erst hineinzog, malte Oberleitner in seiner Improvisation ein pointillistisches Bild.

Dass die Gruppe zwischen ostinatem Bass-Fundament und inspiriertem Alleingang nicht gänzlich verschwamm, war das Verdienst von Schlagzeuger Heimo Wiederhofer. Auf seine fließend rhythmische Beinarbeit konnten Miklin und Oberleitner jederzeit bauen, während der Schlagzeuger auf den Becken fast jede zeitliche Verzögerung oder Beschleunigung des Solotempos treffsicher mitvollzog und die Klangfarbe der Melodietöne damit metallen aufhellte.

Seit es die Reihe "Jazz im Palmengarten" gibt, ist der Auftritt von Albert Mangelsdorff ein Höhepunkt im Frankfurter Musikleben. Seit 41 Jahren erfährt das Publikum hier, wohin die musikalische Entwicklung des weltbekannten Posaunisten gegangen ist. Beim gemeinsamen Konzert mit dem Karlheinz Miklin Trio wandelte Mangelsdorff intonatorisch wieder einmal sicher zwischen dem unbegrenzten Klangkosmos seines mehrstimmigen Spiels und der linearen Welt der Chorusimprovisationen. Seine Komposition "S´is a Wahnsinn" widmete Mangelsdorff dem Gitarristen Attila Zoller. Hier kontrastierte Miklin mit zerrupfter Melodik und abgehackten Floskeln Mangelsdorffs weiche Kantilenen, deren Einzeltöne schwerelos um die verhaltenen Harmonien kreisten.  

Wahrlich mehrstimmig wurde es nach der Pause in der Duo-Improvisation von Mangelsdorff und Miklin. Unter die in Pink-Panther-Manier weich geblasene Linie des Saxophons legte Mangelsdorff, dank seiner frappant sicheren Intonation, einen schwebenden Akkordteppich, der sich harmonisch für jeden tonartlichen Richtungswechsel Miklins offen hielt.

                                                                                                            ACHIM HEIDENREICH


"Frankfurter Allgemeine Zeitung", 8.8.1999

 

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