Presse

"Die Presse"
Ein Lehrer des Jazz mit Sinn für Zeit

Karlheinz Miklin, Saxophonprofessor aus Graz, erfreute im Wiener Reigen mit einem Gastspiel seines "Quinteto Argentina".

Ähnlich wie bei einem Traumgesicht erfolgt in den meisten Stilen des Jazz Schau und Erfüllung fast gleichzeitig, d.h. die musikalischen Phantasien werden im Akt der Improvisation jäh aus dem Zustand des Vorgestellten in vibrierende Luftsäulen - Idiolekte übersetzt. Meisterschaft zeigt sich dabei weniger in vordergründiger Artistik als vielmehr im scheinbar beiläufigen Umgang mit der Zeit. Der Klagenfurter Saxophonist Karlheinz Miklin ist ein Meister in der Kunst der Retardierung: Für die Entwicklung seiner Motive nimmt er sich alle Zeit der Welt.
Oft sehr zart beginnend entwickelte er auch an diesem Abend seine Themen, seine starken Melodien äußerst spannungsvoll, um sie stets zu einem sonoren Ende zu bringen. In seiner argentinischen Formation, die er seit 1984 unterhält, hat sein flamboyantes Spiel eine mehr als solide Befestigung. In dem für den erkrankten Gustavo Bergalli eingesprungenen, ausdrucksstarken Trompeter Marko Djordjevic und dem famosen Gitarristen Marcelo Mayor verfügt Miklin über zwei Solisten von Rang, die die vom Saxophon vorgegebenen Themen reizvoll weiterentwickelten. Dahinter plaziert: eine formidable, gut eingespielte Rhythmusgruppe, die genuin Südamerikanisches mit Jazz- und Fusion-Partikeln anreicherte.

Kraftvolles Spiel
Präsentiert wurde fast durchwegs neues Material, aus der Feder des Gitarristen, des Schlagzeugers, des Bassisten und Miklins selbst. Ausnahme: "El Viejo", Titelnummer des letzten Tonträgers, mit Miklin am Sopransaxophon. Angetrieben von pathetischen Basstrommelschlägen steigerte sich hier die gesamte Gruppe zu treibendem, kraftvoll-erdigem Spiel. Eine nicht enden wollende Klimax war auch die viel Jubel auslösende, rappelnde Batucada-Session gegen Ende des Sets.
Als Leiter der Jazzhochschule Graz ist Karlheinz Miklin für die Entwicklung so großer Talente wie der Saxophonisten Florian Bramböck und Heinrich von Kalnein und des Gitarristen Martin Siewert zu einem gute Teil mitverantwortlich. Das ist auch der Grund dafür, dass man den Saxophonisten Miklin eher selten live sieht. Man sollte die raren Gelegenheiten nützen.

Samir Köck
"Die Presse" 01.Oktober 1999

 

© karlheinz miklin 2005 - www.miklin.mur.at