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Kronenzeitung
Gedenken, warm und schrecklich
Miklin/Berger gestalteten Abend in der Grazer Synagoge

Die Israelitische Kultusgemeinde lud zum Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 in die Grazer Synagoge.
Der Schauspieler Wolfram Berger las dort quer durch Prosa und Lyrik von Erich Fried, Saxophonist Karlheinz Miklin musizierte solo und verlieh dem Abend seine kräftigen, seine drastischen Farben.

"Die Dummheit stirbt nicht aus". So kommentierte Veranstalter Gerhard Kosel vom GamsbArt die Tatsache, dass im Vorfeld einige in der Stadt aufgestellten Ankündigungsplakate offenbar selektiv umgeworfen worden waren. Der ewig gestrigen Anfeindungen stand am 9. November der schöne Umstand gegenüber, dass die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt war, und zwar keinesfalls nur mit Mitgliedern der kleinen Grazer Gemeinde. Deren Vorstand Heinz Anderwald wertete dies als "ein wichtiges Zeichen der Solidarität und des Nicht-Vergessens".

Das jüdische Gebet "El male rachamim" gab die Stimmung des weiteren Abends vor. Entgegen der Anküdigung las Wolfram Berger nicht nur Liebesgedichte Erich Frieds sondern einen Querschnitt durch dessen Real-Pessimismus, der neben humorvollen Wendungen auch solche zur makabren Grausamkeit nimmt.

Karlheinz Miklin nahm diese Stimmungen in seine Zwischenspiele auf und erwies sich einmal mehr als brillanter solistischer Erzähler, als Musiker, der das Format für diesen feierlich-ernsten Auftrag besitzt. Wechselbädern von schriller Wehklage und heiserer Einkehr stellte er mächtige Vielstimmigkeit gegenüber, warm und schrecklich, monströs und bisweilen unbequem, wie die zu bedenkende historische Realität. Matthias Wagner

"Kronenzeitung" 11.11.2009

 

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