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"APA"
Berührend und intensiv - Kresniks Soyfer-Stück
"Auf uns kommt es an"

Einhellige Begeisterung bei Uraufführung im Bleiburger Kulturnidom für
Soyfer-Collage mit Gegenwartskritik

Bleiburg (APA) - Angesagte Skandale finden nicht statt, diese Binsenweisheit hat sich am Donnerstagabend bei der Uraufführung von "Auf uns kommt es an", einem Stück über Jura Soyfer und über Kärnten, im Kulturni dom (Kulturhaus) in Bleiburg/Pliberk wieder einmal bewahrheitet. Die kompakte und stimmige Inszenierung von Johann Kresnik begeisterte das Publikum restlos, niemand verließ während des Stücks den ausverkauften Saal, statt Buhrufen gab es Standing Ovations.

Kresnik gilt als radikal. Was er in Bleiburg mit einem Team von Laiendarstellern - lediglich die Figur des Jura Soyfer war mit Andreas Seifert professionell besetzt - auf die Bühne wuchtete, ist aber in erster Linie kein Versuch einer Provokation, sondern ein exzellentes Stück Theater. Konsequent werden die Texte Soyfers, klug collagiert von Autor Christoph Klimke, in Bilder umgesetzt. Der gebürtige Bleiburger hat mit den Laien derart intensiv gearbeitet, dass man - abgesehen von der hörbar mangelnden Sprechausbildung - nicht auf die Idee gekommen wäre, dass hier Nicht-Profis auf der Bühne lachen, singen, weinen, schreien, sich x-mal umziehen und manchmal auch ganz ohne Kleider auskommen müssen.

Klimke hat eine Autobiografie Soyfers aus dessen Texten erschaffen, geschickt verwoben mit Fragmenten aus seinen Stücken und Bezügen zur Gegenwart. Da gibt es Theater am Theater, Kärntner Jünglinge wechseln sich mit Nazi-Schergen ab, und aus diesem vordergründigen Durcheinander, das aber ganz präzise choreographiert ist, entsteht ein stringenter Handlungsablauf, der mit der Verhaftung Soyfers beginnt und mit seinem Tod endet. Dazwischen bekommt auch der ehemalige Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider einiges ab, und auch Stefan Petzners "Lebensmensch"-Trauer darf nicht fehlen.

Unterstützt wird der Abend durch die Musik des ebenfalls aus Bleiburg stammenden Jazzsaxofonisten Karlheinz Miklin. Der 62-Jährige betrat musikalisches Neuland mit der Vertonung von Texten und der Komposition von musikalischen Übergängen und bewältigte die Aufgabe bravourös. Die Chorpassagen erinnern an Kurt Weill, aber auch an die Politchansons der "Schmetterlinge". Die Instrumentalstücke sind Jazz pur, lassen das Können der durchwegs sehr jungen Musiker zur Geltung kommen, drängen sich aber nie in den Vordergrund.

Die Bühne, über die die Darsteller mit vollem körperlichen Einsatz wirbeln, ist vollgepackt mit Kleiderbündeln. Dieses Grundbild wird je nach Anforderungen des Textes mit Kleinigkeiten ergänzt, so wird eine Szene auf dem Meeresgrund einfach mit der Projektion von Fischschwärmen auf die Rückwand dargestellt. Bühnenbild-Erschaffer Reinhard Taurer erzeugt mit sparsamen Mitteln ein optisches Kaleidoskop mit einem enorm starken Schlusspunkt. Am Ende verschwindet Soyfer in einen Holzverschlag. Die Tür wird geschlossen, ein Feuerzeug flammt auf und dann quillt aus den Ritzen des Verschlags dichter Rauch. Der Verschlag fährt rauchend ganz nach vorne, dann öffnet sich die Tür und die Leiche fällt heraus.

Die Reaktionen des Premierenpublikums reichten von "grandios" über "enorm couragiert" bis zu "hinreißend". Kresnik, der in Bleiburg seine allererste Produktion in Kärnten gemacht hat, müsste, seinem eigenen Credo folgend, enttäuscht gewesen sein ob des ungeteilten Zuspruchs, den er erntete, machte aber nichtsdestotrotz einen restlos glücklichen Eindruck.

(Von Michael Walcher/APA)

"Kleine Zeitung"

"Das Publikum gewonnen"

Tanztheater, das auch ins Ohr geht: Karlheinz Miklin komponierte die Musik zur Bleiburger Jura Soyfer-Collage.


Mitten im Geschehen: der Jazzmusiker Karlheinz Miklin

Karlheinz Miklin (62), Jazzmusiker von Weltrang, hat zur Collage "Jura Soyfer - Auf uns kommt es an" die Musik geschrieben. Während der Aufführungen steht der gebürtige Bleiburger mit seinen jungen Kollegen Stefan Thaler, Mario Vauti, Karlheinz Miklin jun., und Patrick Dunst auch selbst auf der Bühne, mitten in der Szene.

Johann Kresnik möchte Sie zu Produktionen nach Deutschland einladen. Was sagen Sie dazu?
KARLHEINZ MIKLIN: Die Zusammenarbeit mit Kresnik ist eine interessante Aufgabe. Ich würde sehr gerne bei weiteren Projekten mitwirken, falls dies zeitlich und örtlich möglich sein wird.

Sind Sie mit der Aufführung "Auf uns kommt es an" zufrieden?
MIKLIN: Was Kresnik aus dem Klimke-Text gemacht hat, ist grandios. Wir haben das Publikum für uns gewonnen. Ich hätte meine Mitwirkung aber auch nicht bereut, wenn die Zustimmung durch die Besucher anders verlaufen wäre. Der Kulturni dom hat eine wunderbare Bühne.

Wie lief die Arbeit mit Kresnik?
MIKLIN: Genauso wie Kresnik mit seiner Choreographie bei Null angefangen hat, war es auch mit der Musik. Wir mussten schauen, wo wir im Stück unterkommen. Außer den Chor- und Solistenliedern ist die Musik während der Erarbeitungsphase entstanden. Kresnik reagierte stark auf die Musik und stand meinen Vorschlägen sehr offen gegenüber. Die Kompositionen wurden den Textinhalten angepasst. Für die Laienschauspieler, die oft nicht Notenlesen konnten, habe ich die Lieder, die ich bereits vor der Produktion komponierte, auf eine CD gespielt und gesungen.

War ihre Jazzausrichtung ein Vorteil bei der Arbeit?
MIKLIN: Als Jazzmusiker kann man auf bestimmte Stimmungen und Wünsche der Regie schneller reagieren. Kresnik hat uns Musiker mit vielen Komplimenten ermuntert. Nachdem Jura Soyfer für mich kein Unbekannter war, habe ich seine zum Teil logischen und rhythmischen Texte im Stil der 30-er-Jahre vertont.

Ihre Zukunftspläne?
MIKLIN: Im Herbst bin ich mit dem Doubletrio, einer neuen Zusammensetzung mit je zwei Bassisten und Schlagzeugern, in Österreich und bei einem Festival in der Slowakei. Im November gibt es einen Erich-Fried-Abend mit Wolfram Berger in der Synagoge Graz, im Frühjahr 2010 bin ich mit meinem Trio unter anderem in Venezuela, im Herbst kommen die Argentinos wieder.

(ROSINA KATZ-LOGAR "Kleine Zeitung")



Chorprobe mit H. Kresnik

...Karlheinz Miklins jazzige Kompositionen, die seltsam losgelöst das Geschehen umspielten
"Kronenzeitung"


"Drei Königskinder" mit A. Seifert, P. Dunst cl, M. Vauti tb

Karlheinz Miklin für den musikalischen Part sowie die Kompositionen zu gewinnen...
war ohne Übertreibung ein glatter Goldgriff.
"Novice"


Vorbesprechung mit H. Kresnik, A. Seifert, R. Taurer

...wider das Vergessen und Verschweigen nützt es, und einer Kultur des Miteinander - trotz aller
Gegensätze. Gegensätze, die zwei vor Jahrzehnten emigrierte Stars der internationalen Kulturszene
in der Provinz ihrer Heimat zu überwinden suchen.
"Kleine Zeitung"

 

 

© karlheinz miklin 2009 - www.miklin.mur.at