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Liner notes
"Cymbal Symbols"

Was für eine schöne Geste der Sprache, das Wort "Cymbal" aus dem Wort "Symbol" abzuleiten.  

Wie ein Symbol etwas begrifflich repräsentiert, steht das Cymbal für ein Schlagzeugset. Oder besser: für den Drummer selbst. Das Cymbal wird zum Symbol für den Drummer. Bekannte Drummer lassen sich deshalb auch lieber mit ihren Cymbals als mit ihrem Set abbilden. Und manche wie etwa Billy Hart müssen wohl Tag und Nacht in Fabriken verbringen, um ihren Cymbal-Satz penibel auszuwählen. Sie reisen ja auch stets damit, während das Drumset meistens schon auf der Bühne wartet.

Billy Hart ist einer von jenen, die das Arrangement der Cymbals, ihr ziseliertes Melos und den Beat geradezu elementarisiert haben. Die Auswahl seiner Zildjian-Cymbals mag eine Wissenschaft sein, die sich selbst dem geneigten Hörer verschließt. "Cymbal Symbols", mehr als ein Wortspiel, eine Schöpfung, die Karlheinz Miklin, für den Musik schon immer weit über die Sprache hinausging, als Verbeugung vor einem der bedeutendsten lebenden Schlagzeuger und als Titel seiner neuen Live-CD eingefallen ist.

Respekt und die Zurücknahme vor großen Musikern haben den österreichischen Parade-Saxophonisten stets geadelt. Gleichzeitig ist sein Selbstbewusstsein als Musiker in all den Jahren mit dem Maß gestiegen, mit dem er sich den Errungenschaften und dem Stellenwert großer Kollegen untergeben und seinen Platz in einer veränderten Jazzwelt gefunden hat. Einer Jazzwelt, die einerseits noch in der Tradition ihrer großen stilbildenen Musiker und amtlichen Instrumentalisten steht und die er nicht zuletzt auch durch seine jahrzehntelange Arbeit als Jazzprofessor und Leiter des international angesehenen Jazz Department at the University of Arts in Graz zu vertreten hatte. Und andererseits einer postmodernen Jazzwelt, die von aufgebrochenen Dogmen und verlorenen Parametern sowie von technischer Innovation geprägt ist. Ersterem begegnet Miklin seit Jahren mit zunehmender Ruhe und Besinnung im Spiel. Letzterem verschließt er sich durch maßvolle Anwendung neuer Technologien nicht. So besehen ist diese CD mit dem subtilen Titel nicht zwingend ein Beleg seines künstlerischen Standpunkts, wenngleich sie diesem in keinem Moment widerspricht. Die atmosphärisch großartig eingefangenen Aufnahmen aus dem Wiener Jazz-Etablissement Porgy & Bess zeigen vielmehr Miklins Vielfältigkeit, seinen ausgeprägten, in die höheren Register drängenden Sound, instrumentale Kontrolle und einen ausgesprochen reifen Ensemblegeist im Kontext eines völlig abgeklärten virtuosen Trios. In dem es KHM noch dazu gelingt, vom Sopranino bis zum Tenor praktisch mit der ganzen Saxophonfamilie (allein Bariton-Versuche sind in seinem Oeuvre nicht überliefert) eine ganz persönliche Note auszudrücken, jedem der sieben Titel einen ganz speziellen Charakter zu verleihen.

Mit Billy Hart, dessen Stellenwert in der Jazzgeschichte in der Hall of Fame zu suchen ist, verbindet Miklin eine 24-jährige musikalische Partnerschaft, die ganz offenbar beiderseitige Inspiration zeitigt. Im besagten, ihm gewidmeten Miklin-Original "Cymbal Symbols" etwa scheint der ungemein stilsichere Drummer diese Verbeugung mit einem opulenten Cymbal-Intro dankbar zu erwidern.  

Mit "Joltz Waltz" würdigt KHM indes einen Weltklasse-Bassisten, mit dem er ebenso lange befreundet ist und mit dem er zusammen mit Billy Hart und dem österreichischen Pianisten Fritz Pauer schon früh ein Quartett formierte: Ron McClure. Seine Rolle übernimmt in diesem neuen, vor drei Jahren erstmals erprobten Trio nun der Schweizer Heiri Känzig, der mit seinem durchschlagskräftigen, rhythmisch prägnanten und muskulösen Bass beweist, dass er längst zur internationalen Spitzenklasse gehört.

Miklin-Fans werden beim Anhören dieser packenden Tunes vielleicht seine getragene Bassklarinette wie auch die Stimmungsbilder seiner Flöten vermissen. Es soll uns aber nichts Schlimmeres passieren. Zählt doch seine anmutige, im Ton sanft patinierte Ballade "Fall" dafür zu den sinnlichen Höhepunkten dieses expressiven Kompendiums eines formidablen Jazztrios. Ein Reifezeugnis im besten Sinne.

Otmar Klammer

 

"Jazz Podium"
Miklin-Känzig-Hart
Cymbal Symbols
(Live at Porgy & Bess)
TCB 30902

Langjährige Weggefährten sind der 65-jährige Kärntner Saxophonist Karlheinz Miklin und die amerikanische Schlagzeuglegende Billy Hart. Seit 1987 kommen die beiden immer wieder für Projekte zusammen, nun haben sie sich erstmals Heiri Känzig mit ins Boot geholt und im Mai 2010 im Wiener Jazzclub Porgy & Bess die sieben Stücke von "Cymbal Symbols" live aufgenommen. Ganz abgeklärt geben sich die drei stilsicheren Akteure hier, unternehmen in den Intros der Stücke ausgedehnte Klangerkundigungen von bisweilen spiritueller Tiefe.

Dem behutsamen Einsatz von Harts Trommelstöcken und Filzschlägeln auf Fellen und den titelgebenden Becken setzt der Post-Bop beeinflusste Miklin oftmals ein scharf und kaskadenartig geblasenes Saxophon entgegen. Heiri Känzig versteht es, diese gegensätzlichen Stimmungen rhythmisch prägnant zu verbinden und seine Spitzenklasse zu zeigen.

Thomas Volkmann
"Jazz Podium" 03/12

"JAZZthing"
MIKLIN/KÄNZIG/HART
Cymbal Symbols - Live At Porgy & Bess
(TCB/Challenege)

Die Paukenschlegel bringen den Schlagzeugfellen sanften Singsang bei, und als das Sopran einfällt, tönt es, als gebe es gerade ein paar Reiseimpressionen aus dem Maghreb wieder - so beginnt eine Aufnahme, die 2010 in Wiens schönem Untergeschoss-Club Porgy & Bess entstand und den österreichischen Saxofonisten Karlheinz Miklin auf Tenor, Alt und Sopran, den Schweizer Bassisten Heiri Känzig und den amerikanischen Schlagzeuger
Billy Hart zusammenbrachte. Im Laufe der nun folgenden 56 Minuten hören wir eine intensive Musik mit regem
Austausch aller Beteiligten, Nummern in denen sich das Trio immer wieder aufsplittet, in denen Rhythmen beschwingt tänzeln, markante Riffs und Ostinati Forderungen stellen und treibender Swing viel Bewegung bringt.

Musikalisch ist für viel Abwechslung gesorgt, von handfesten, erdigen Passagen bis hin zu einem atmosphärischen
Intro, in dem sich über einen Orgelpunkt einiges zusammenbraut. Da bleibt man bis zum Ende gebannt vor der heimischen Anlage sitzen.

swp
"Jazzthing" Februar/März 2012


"JAZZ'N'MORE"
MIKLIN - KÄNZIG - HART
Cymbal Symbols - Live at Porgy and Bess

Wenn eine neue CD das Becken zum Symbol erklärt, steckt nichts anderes dahinter als eine Hommage an einen Schlagzeuger. Im Falle dieses Trios ist es Billy Hart, mit dem Karlheinz Miklin seit 1987 zusammenarbeitet.
Harts Art, den unterschiedlichen Becken ("Cymbals") mannigfaltige Klangfarben zu entlocken, mag den Kärntner Saxofonisten bewogen haben, dieses Trio ohne Harmonieinstrument zu gründen.Seit 1978 bewegt er sich in diesem Fahrwasser. Jetzt hat der 65-Jährige sieben neue Stücke geschrieben, die meist mit Klangerkundungen
eingeleitet werden, bevor die abgeklärte Hardbop-Post abgeht.
Harts behutsamem Einsatz von Stöcken und Schlägeln setzt
Miklin harte Kontraste entgegen. Heiri Känzig, der Dritte im Bunde, bündelt diese gegensätzlichen Stimmungen prägnant mit seinem Bass. Stetes Interplay komplettiert dieses famose Trio.

rk
"JAZZ'N'MORE" Jänner 2012

"Kronenzeitung"
CD AKTUELL

Ein atmosphärisch dichter Live-Mitschnitt aus dem Wiener "Porgy & Bess" dokumentiert die fruchtbare Zusammenarbeit des Grazer Saxophonisten Karlheinz Miklin mit US-Drummer Billy Hart und dem Schweizer Bassisten Heiri Känzig: "Cymbal Symbols" erschien beim Schweizer Label TCB und bündelt sieben gleichmäßig starke Nummern aus Miklins Feder zu einem großartigen Album, das zwar dem Regelbuch des Jazz folgt, von seiner Zuhörerschaft aber (ein Klassebeweis) keine einschlägige Vorbildung fordert.

Ob als einsamer Rufer in der U-Bahn-Station in "Fall", ob im salopp-verschrobenen Swing von "Straight Or Not", im mystischen Zwielicht des Titelstücks oder in "Stomping", wo sich rumpelstilzchenhafte Virtuosität in unbändigen
Free-Jazz-Ausbrüchen entlädt: Mit der ihm eigenen Expressivität und Kompromisslosigkeit lässt Karlheinz Miklin Ideen und melodien sprudeln.
Im Trio mit Känzig, der für unerhört verspielte Solo-Exkurse sorgt, und Hart, der kraftvoll Regie führt, turnt er scheinbar entspannt in raffinierteste Gefilde der Musikalität, zeichnet Stimmungskurven mit sagenhaft wenigen Strichen, schöpft aus einem tiefen Brunnen harmonischer Möglichkeiten, ohne je akademisch zu wirken.
Ein Meisterwerk.

M. Wagner
"Kronenzeitung" 2.März 2012

"Concerto"
Miklin - Känzig - Hart
Cymbal Symbols

Manche assoziieren mit "KHM" das Kunsthistorische Museum, für Jazzfans inner- und außerhalb Österreichs steht diese Kürzel jedoch für Karlheinz Miklin. Der Grazer Jazzprofessor im Unruhestand ist vielen durch sein Quinteto Argentina bekannt, arbeitet aber auch immer wieder mit internationalen Größen wie dem amerikanischen Drummer Billy Hart, dem er mit "Cymbal Symbols" das Titelstück der neuen CD gewidmet hat. Dritter im Bunde ist der Schweizer Bassist Heiri Känzig, der mit kernigem Ton den Sound des Trios ebenso prägt wie KHM mit seinen diversen Saxofonen.
Er verzichtet dieses Mal auf Flöte und Bassklarintette und setzt die Elektronik nur sehr sparsam ein; dafür konzentriert er sich mit seinen kongenialen Partnern ganz auf die Essenz der musikalischen Aussage. Hier spielen drei erfahrene Musiker, die genau aufeinander hören und so zu Herzen gehende Balladen und erdige Grooves schaffen, die in ausgezeichneter Tonqualität im Porgy&Bess in Wien live eingefangen wurde.

schu
"Concerto" April/Mai 2012



 

 

 

 

 

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